OpenSSL 4.1.0 unterstützt nun DTLS 1.3 für UDP-Verbindungen. Im neuen Code stecken vier bekannte Bugs, für einen davon arbeitet das Projekt an einem Fix. Zwei Build-Optionen entfallen, und das Werkzeug tsget braucht ein neues Perl-Modul. Zudem gibt es Tempo-Gewinne bei ML-KEM, ML-DSA und AES-CBC.
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OpenSSL 4.1.0 bringt DTLS 1.3 mit vier bekannten Fehlern im neuen Code. Das Projekt hat die Version Ende Oktober 2026 veröffentlicht. Wer UDP-basierte Verbindungen absichert, sollte vor dem Umstieg die Hinweise zu Fehlercodes und Build-Optionen lesen.
Das Wichtigste in Kürze
- DTLS 1.3 ist neu dabei. Das Protokoll sichert Verbindungen über UDP ab und ist in RFC 9147 beschrieben.
- Vier bekannte Bugs stecken im DTLS-Code. Für einen davon arbeitet das Projekt an einem Fix, für die anderen drei ist kein Stand genannt.
- Zwei Build-Optionen entfallen. no-ecdsa und no-ecdh sind weg, weil sie den Code nicht wirklich abschalteten.
- Das Werkzeug tsget braucht ein neues Perl-Modul. Wer es nutzt, installiert Net::Curl::Easy vor dem Update.
Was DTLS 1.3 ist und wen es betrifft
DTLS ist die Variante von TLS für Datagramme, etwa über UDP. Version 1.3 ist in RFC 9147 beschrieben, so die Meldung von Help Net Security. OpenSSL 4.1.0 unterstützt sie nun. Zudem ergänzt die Version DTLS-Unterstützung für die SSL-Listener-API.
Die bekannten Fehler treffen vor allem Entwickler, die DTLS 1.3 oder diese neue Listener-Anbindung einsetzen. Eine Anleitung liegt als Handbuchseite ossl-guide-dtlsv13(7) bei.
Help Net Security hat die Meldung am 26. Oktober 2026 veröffentlicht. Eine spätere Aktualisierung der Quelle ist dort nicht ausgewiesen. Damit gilt der 26. Oktober 2026 als Stand dieses Beitrags.
Die vier bekannten DTLS-Bugs
Help Net Security nennt vier Fehler. Zwei davon können eine Anwendung über den Zustand einer Verbindung täuschen.
- Empfangsfehler auf dem Listener: Ein dauerhafter Fehler kann als SSL_ERROR_WANT_READ erscheinen. Das ist der Code für "warte auf weitere Daten". Die Anwendung wartet dann womöglich auf eine tote Verbindung.
- Schreibfehler bei nichtblockierenden Verbindungen: Ein Fehler, der sich wiederholen lässt, kann als SSL_ERROR_SYSCALL auftauchen. Wer diesen Code als endgültig behandelt, schliesst eine noch funktionierende Verbindung.
- Abbruch des Handshakes: Bestätigt der Client den ersten Teil der Server-Antwort, bevor er selbst antwortet, kann der Server mit einem unexpected_message-Alert abbrechen. Das kann nach Paketverlust auftreten.
- KeyUpdate verwirft Datensätze: Beim Schlüsselwechsel wirft OpenSSL andere offene Nachrichten aus dem Wiederholpuffer. Ging ein NewSessionTicket auf dem ersten Weg verloren, sendet OpenSSL es nicht erneut.
Das Projekt arbeitet an einem Fix für den vierten Fehler. Für die anderen drei nennt die Quelle keinen Stand.
| Fehler | Betroffen | Fix-Stand |
|---|---|---|
| Falscher Code bei Empfangsfehler | DTLS-Listener | Kein Stand genannt |
| Falscher Code bei Schreibfehler | Nichtblockierende Verbindungen | Kein Stand genannt |
| Handshake-Abbruch nach Paketverlust | DTLS-1.3-Server | Kein Stand genannt |
| Verworfenes NewSessionTicket | Sitzungen mit KeyUpdate | Fix in Arbeit |
Daher gilt für den Betrieb: Code, der Verbindungen vom DTLS-Listener annimmt, sollte SSL_ERROR_WANT_READ und SSL_ERROR_SYSCALL nicht blind glauben, solange diese zwei Bugs offen sind.
Was entfällt und was sich ändert
OpenSSL hat die Build-Optionen no-ecdsa und no-ecdh aus Configure entfernt. Sie schalteten die genannten Teile nicht ab. Ein Build mit einer dieser Optionen enthielt den Code weiterhin. Das Projekt verweist auf no-ec, das die Elliptische-Kurven-Unterstützung ganz abschaltet.
Weitere Änderungen, die bestehende Setups brechen können:
- Die Build-Ziele Windows auf Itanium und Windows CE sind gestrichen.
- Das Zeitstempel-Werkzeug tsget verlangt das Perl-Modul Net::Curl::Easy. Es ersetzt das aufgegebene WWW::Curl::Easy.
Deshalb sollten Teams ihre Build-Skripte auf die entfernten Flags prüfen. Wer tsget nutzt, installiert das neue Modul vor dem Update.
Schneller und neu in der Krypto
Für Post-Quanten-Verfahren gibt es Optimierungen. ML-KEM und ML-DSA erhalten schnellere NTT-Operationen auf ppc64le. ML-DSA bekommt weitere Arbeit für x86_64, darunter AVX-512-SHAKE-x4-Code. AES-CBC-Entschlüsselung auf x86_64 nutzt neu AVX-512 und VAES.
Dazu kommen drei Neuerungen:
- RFC 8701 GREASE sendet zufällige reservierte Werte im Handshake. So fallen Server auf, die unbekannte Werte falsch behandeln.
- Eine Schlüsselableitungsfunktion für IKEv2.
- Erste Unterstützung für die Architektur Elbrus2000.
Die vollständigen Angaben stehen im Release auf GitHub.
Einordnung: Was das für Admins und Entwickler in der Schweiz heisst
Eine feste Frist nennt die Quelle nicht. Handlungsbedarf hängt davon ab, was du einsetzt. Wer DTLS 1.3 oder den neuen Listener nutzen will, plant mit allen vier Bugs und prüft den Umgang mit den beiden Fehlercodes. Wer Builds mit no-ecdsa oder no-ecdh erzeugt, stellt auf no-ec um oder prüft, ob das nötig ist. tsget-Nutzer installieren vorab das neue Perl-Modul. Zur Höhe der Kosten macht die Quelle keine Angaben. Der Aufwand liegt in Tests und Anpassungen der Build-Skripte.
Fazit
OpenSSL 4.1.0 bringt DTLS 1.3, schnellere Post-Quanten-Krypto und einige Brüche bei Build-Optionen. Nächster Schritt: Build-Skripte auf entfernte Flags prüfen und DTLS-Code gegen die beiden irreführenden Fehlercodes absichern. Für die Bug-Fixes lohnt der Blick in den Release-Hinweis des Projekts.
Quellen: Help Net Security. Stand: 26. Oktober 2026.
Geschrieben von der Redaktion · Freigegeben von Andreas Brauckmann · So arbeitet die Redaktion
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